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Hintergrundinformationen zum Thema „Gutes Sehen“ PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Hermann Sahm   
Sonntag, den 27. März 2011 um 20:28 Uhr

Ein gutes Sehvermögen ist eine wesentliche Voraussetzung, um sich im Straßenverkehr sicher bewegen zu können. Ob es beim Autofahren, auf dem Motorrad oder Fahrrad ist oder  als Fußgänger: Den Großteil der Informationen erhalten wir übers Auge, über die Sehfähigkeit – andere Verkehrsteilnehmer, Verkehrsschilder, den entgegenkommenden Verkehr, Hindernisse auf der Fahrbahn etc.

Funktioniert das Sehvermögen nur eingeschränkt, sind die Informationen, die wir erhalten, ebenfalls eingeschränkt, unvollständig – oder wir nehmen sie zu spät wahr. Eine Untersuchung beim Augenarzt oder beim Optiker kann Probleme aufdecken und ist somit auch ein Beitrag zur Steigerung der Verkehrssicherheit.

Sehschärfe und Verkehrssicherheit

Die wichtigste Augenfunktion zur sicheren Teilnahme am Straßenverkehr ist die „Tages-Sehschärfe“. Sie ermöglicht zum Beispiel, dass wir beurteilen können, wie schnell entgegenkommende Fahrzeuge sind, dass wir uns auch im städtischen Verkehrsgewühl orientieren können und dass wir Verkehrsschilder und Signale von anderen Verkehrsteilnehmern wahrnehmen. Beim Augenarzt ist daher die Prüfung der Sehschärfe ist das wichtigste Element einer Untersuchung.

Gesichtsfeld und Verkehrssicherheit

Fast genauso wichtig ist ein intaktes Gesichtsfeld. Test: Legen Sie beide Zeigefinger an Ihre Nasenspitze. Jetzt bewegen Sie beide Finger langsam voneinander weg. Trotzdem Den Bereich, in dem Sie Ihre Finger noch erkennen, bezeichnet man als "Gesichtsfeld".

Im zentralen Bereich innerhalb von 25 bis 30 Grad rings um das Gesichtsfeldzentrum spielt sich der größte Teil des für den Autofahrer relevanten Verkehrsgeschehens ab. Wenn er in diesem Bereich auf beiden Augen Gesichtsfelddefekte hat, besteht Fahruntauglichkeit. Tückisch an Gesichtsfelddefekten ist, dass die Betroffenen selbst sie häufig nicht wahrnehmen. Erst eine fachliche Untersuchung bei Augenarzt oder Optiker können die blinden Stellen im Gesichtsfeld aufdecken.

Neben dem zentralen Gesichtsfeld ist auch das periphere, also außen gelegene Gesichtsfeld wichtig – beispielsweise, wenn beim Wechsel der Fahrspur überprüft wird, ob rechts oder links die Spur frei ist.

Stereo-Sehen und Verkehrssicherheit

Das Stereo-Sehen oder räumliche Sehen hilft dabei, im Nahbereich bis etwa 50 Meter um das Fahrzeug herum Entfernungen einzuschätzen. Ist diese Funktion bei einem Autofahrer eingeschränkt, ist davon auszugehen, dass er Verkehrssituationen weniger gut einschätzen kann. Allerdings gibt es keine gesicherten Erkenntnisse darüber, wie hoch das Unfallrisiko dadurch wird; daher gibt es auch keinen Grenzwert für die Fahrtauglichkeit.

Dämmerungssehen und Verkehrssicherheit

Die Fähigkeit, bei Tag gut zu sehen, hat nichts mit dem guten Sehen bei Nacht zu tun.

Auch wer tagsüber keine Sehhilfe braucht, kann nachts Probleme bekommen. Beim Autofahren in der Dämmerung und bei Dunkelheit werden auch gesunde Augen bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit beansprucht.

Wenn aber das Sehvermögen eines Autofahrers in der Dämmerung oder bei Dunkelheit eingeschränkt ist, kann er andere Verkehrsteilnehmer nicht rechtzeitig wahrnehmen oder bei einer starken Blendung keine Einzelheiten der Verkehrssituation mehr wahrnehmen. Schlechtes Dämmerungssehen und erhöhte Blendempfindlichkeit sind nicht selten das Ergebnis einer Linsentrübung (Grauer Star). Eine Untersuchung beim Augenarzt kann zeigen, wie stark die Defizite ausgeprägt sind. Möglicherweise wird dann, auch im Interesse des Untersuchten selbst, ein Nachtfahrverbot verhängt.

Sehtest: Alle 2 Jahre!

Wer im Straßenverkehr ohne ausreichende Sehkraft unterwegs ist, macht sich strafbar. Gewerbliche Autofahrer müssen alle fünf Jahre zum Sehtest, für Privatleute ist ein Sehtest freiwillig. Laut Gesetz ist jeder selbst für seine Fahrtauglichkeit verantwortlich. Doch wer nur eingeschränkt sieht, ist auch nur eingeschränkt fahrtauglich!

Wahrnehmen – erkennen – reagieren sind Fähigkeiten, die im Straßenverkehr über Wohl und Wehe entscheiden können. Eine Verkehrssituation wahrnehmen, sie richtig erkennen und angemessen darauf zu reagieren, ist wie eine Lebensversicherung – für Sie und auch die anderen Verkehrsteilnehmer. Die meisten Sinneseindrücke werden über die Augen aufgenommen – trotzdem belegen Umfragen und Untersuchungen, dass etwa ein Drittel aller Verkehrsteilnehmer zu schlecht sieht. Wie kann das sein? – Das Sehvermögen lässt schleichend nach und wird oft erst spät oder zufällig wahrgenommen.

Die Deutsche Verkehrswacht empfiehlt allen Verkehrsteilnehmern, alle zwei Jahre zum Sehtest zu gehen. Die meisten Sehschwächen lassen sich mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen korrigieren. Sie werden die Welt mit anderen Augen sehen!

Der Schnell-Sehtest für Autofahrer

Das eigene Sehvermögen als „gut“ oder „schlecht“ zu beurteilen, ist eine sehr subjektive Bewertung. Es gibt aber ein paar objektive Kriterien, an denen jeder erkennt, ob er den dabei richtig liegt. Probieren Sie es aus:

  • Können das Nummernschild des vorausfahrenden Autos aus 30 Metern Entfernung lesen?
  • Können Sie Verkehrsschilder aus 100 Metern Entfernung lesen?
  • Werden Sie am Steuer schnell müde und bekommen Kopfschmerzen?

Dann sind Ihre Augen möglicherweise überfordert, weil die Augenmuskeln permanent versuchen, einen Sehmangel auszugleichen.

Unser dringender Rat: Sollte die Antwort zu auch nur einer der drei Fragen kritisch sein, gehen Sie unbedingt zum Sehtest!

 

Quelle:DVW